indien für ein jahr

blind peoples association


Dienstag, Februar 21st, 2012

erzählt habe ich ja schon viel von indien, aber über meine arbeit in der bpa (blind peoples association),  habe ich noch fast nichts erzählt… :)

ich arbeite hier jetzt schon seit sechs monaten und am anfang war es für mich total sicher, dass ich wohl nie hier einen alltag finden würde, weil einfach alles so neu, so unterschiedlich, so viel und so anders war, als ich es erwartet hätte oder als ich gewohnt gewesen wäre.

ich arbeite in der mental hygiene clinic. eine unit der bpa, in der kinder und jugendliche mit verschiedenen behinderungen bzw. einschränkungen betreut, unterrichtet und gefördert werden. die mental hygiene clinic, ein dreistöckiges gebäude, besteht aus vier units. im keller gibt es das vocational training, in dem jugendliche und junge erwachsene über 17 jahren, trainiert werden dinge wie pappteller und papiertaschen, kleine  kerzen und ähnliches herzustellen. dann gibt es die unit viad. hier werden körperlich und geistig behinderte kinder mit einer zusätzlichen einschränkung der sehkraft betreut. dann gibt es die deafblind unit. hier werden taubstumme kinder, taubblinde kinder, taube und blinde kinder betreut.

und dann gibt es noch meine unit, die mental hygiene clinic. hier gibt es drei klassen über den tag verteilt. es gibt die junior class, die senior class und eine autistic class.

der tag beginnt, theoretisch um 10.30 uhr, mit  der junior class. da aber natürlich erst kurz nach 11 uhr alle kinder mit ihren mamas eintrudeln, beginnt der unterricht meist so gegen 11 uhr. die junior class besteht aus kindern mit unterschiedlichen behinderung zwichen 7 und 12 jahren, die jeden morgen ihren fähigkeiten und ihren ansprüchen gemäß unterrichtet werden. der unterricht folgt einer festen rahmenstruktur, die aber durchaus auch der situation angepasst wird. etwa die hälfte aller kinder kommt mit mama, weil sie ständige betreuung benötigen, während die anderen kinder selbstständig genung sind, um alleine im unterricht teilzunehmen. nach dem morgengebet wird gezählt, das datum an die tafel geschrieben und ein paar aufwärmübungen gemacht. danach  folgt der unterricht, der sehr unterschiedlich sein kann. es wird hier vorallem sehr darauf geachtet, dass vorallem “daily life skills” (tägliche herausvorderungen des lebens) im unterricht geübt werden um das kind schon sehr früh auf das leben und eine eventuelle selbständigkeit vorzubereiten. dazu gehören, das regelmäßige einkaufen, kochen, zähneputzen, gesicht waschen, knöpfe öffnen und schliessen und ähnliches. dazu kommt normaler unterricht, in dem, von jedem kind individuell, schreiben und rechnen gelernt wird, geschichten erzählt werden, gesungen und getanzt wird. dadurch, dass in der klasse kinder mit verschiedensten behinderungen gleichzeitig unterrichtet werde, kann es keinen einheitlichen unterricht für alle geben. sport, einkaufen, kochen, malen, bastelln, singen etc. wird zusammen gemacht, aber beim schreiben und rechnen wird eben jedes kind seinen fähigkeiten gemäß unterrichtet.

nach dem unterricht, wird zusammen gegessen und der unterricht ist vorbei. direkt im anschluss beginnt die autistic class.  im gegensatz zu der junior class, wird hier vorallem daran gearbeitet, autistische kinder mit anderen menschen zusammen zu bringen und verschiedene fähigkeiten zu fördern. hier ist der unterrichtsablauf noch viel stärker strukturiert als in den anderen klassen. in den letzten sechs monaten hat sich hier der ablauf nur sehr geringfügig verändert, das hat aber vorallem damit zu tun, dass autistische kinder meist sehr geregelte abläufe benötigen.

am frühen nachmittag beginnt dann die senior class. hier werden kinder zwischen 13 und 17 jahren unterrichtet. vom prinzip läuft der unterricht hier ähnlich bzw. fast gleich ab, wie in der junior class, nur dass hier nur sehr selten eltern am unterricht teilnehmen und dass das niveau auch stark gesteigert wird. hier wird sehr viel stärker daran gearbeitet die kinder auf das leben vorzubereiten.

zu beginn meiner zeit, beobachtete ich die klassen für sehr lange zeit um mir einen eindruck zu verschaffen. die idee vom unterrichten wurde sehr schnell hinfällig, weil sprache einfach ein unüberwindbares hinderniss für eine gute kommunikation darstellt und diese gerade in meinen klassen sehr wichtig ist. deshalb bin ich immer mehr dazu übergegangen materialen zu gestalten und nicht den unterricht aktiv mitzugestalten. ich bin zwar anwesend, spiele hier aber eben keine aktive lehrerrolle. ich habe rasseln mit den kinder gebastelt, habe regenmacher gemacht, eine holzuhr um die uhrzeiten zu lernen und ähnliches.

im  moment bin ich gerade dabei die wände in meiner unit mit einer gartenlandschaft zu gestalten. was am anfang als kleines projekt gedacht war, beschäftigt mich nun seit fast vier monaten. von der grundidee eines gartens, mit bäumen, tieren und blumen, über das planen und recherchieren, das vorzeichnen, das farbekaufen, das ausprobieren und dann das tatsächliche aufmalen. dazu kommt, dass jeder noch mit einer idee kommt oder einem tierwunsch, der natürlich auch aufgemalt werden muss, sodass aus einem baum, ein paar blumen und ein paar schmetterlingen, nun eine mischung aus schmetterlingen, affen, tigern, ameisen, eulen, fröschen, schlangen, raben, pfauen und blumen aller art geworden ist, das mehr einem wimmelbild als einem übersichtlichem bild gleicht. :) aber gerade das macht so spass, zu sehen, wenn ein kind ganz fasziniert vor dem tiger  steht oder nach vier wochen plötzlich losschreit, weil es die schlange entdeckt hat… :)

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